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Living Soil wiederverwenden: Die Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Aufbereiten (Re-Amending)

Aktualisiert: vor 1 Tag


Eine der häufigsten Fragen, die ich bekomme, lautet:

„Kim, kann ich meine Living Soil wiederverwenden – und wenn ja, wie oft?"


Die kurze Antwort: Ja. Und zwar nicht nur ein- oder zweimal, sondern über Jahre hinweg. Manche meiner Kunden bauen seit über drei Jahren in derselben Erde an – und die Ergebnisse werden mit jedem Durchlauf stabiler & besser, nicht schlechter.


Ich bin Kim Immanuel Krämer, Gründer von Couple of Plants, und ich baue seit über 14 Jahren in organischen und lebendigen Böden an. Genau das ist einer der größten Vorteile von Living Soil gegenüber Industrieerde oder Kokos: Du wirfst nach der Ernte nichts weg. Du frischst den Boden kurz auf – und legst direkt wieder los. Das spart im Übrigen auf Dauer nicht nur Geld, sondern auch eine Menge Arbeit & Müll.


In dieser Anleitung zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du deine Living Soil wiederverwendest, warum lebendiger Boden dabei sogar besser wird, und welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest.


Lass uns starten. 🌱

Du willst direkt zur Praxis?  Der wichtigste Teil ist Abschnitt 4 – der Recharge.  Das ist der einzige Schritt, der ein wenig Arbeit macht. Den Rest erledigt der Boden von allein. Noch keine Living Soil? Hier kannst du meine Living Soil kaufen. Dieser Leitfaden geht selbstverständlich auch für andere Erden - abgestimmt ist er aber auf meine eigene. Rechtlicher Hinweis: Seit dem 1. April 2024 ist der private Cannabisanbau in Deutschland für Erwachsene erlaubt – bis zu drei Pflanzen zum Eigenbedarf, nicht öffentlich sichtbar und nicht für Minderjährige zugänglich. Meine Living Soil – und alles in diesem Artikel – funktioniert aber genauso für Tomaten, Chilis, Kräuter, Paprika und alle anderen Starkzehrer.

Inhaltsverzeichnis

1. Warum du Living Soil überhaupt wiederverwenden solltest


Wer in Kokosfasern, Steinwolle oder klassischer Baumarkt-Universalerde anbaut, kennt das Ritual: Nach jedem Grow landet das verbrauchte Substrat im Müll – und vor dem nächsten Durchlauf wird neu gekauft, neu befüllt, neu gedüngt. Ein ewiger Kreislauf aus Entsorgen, Nachkaufen und Flaschen anrühren.


Living Soil dreht dieses Prinzip komplett um. Sie ist kein Wegwerf-Substrat, sondern ein lebendiges Ökosystem – und ein lebendiges System willst du gerade nicht nach jedem Grow wegwerfen. Du willst es erhalten und pflegen, damit es immer besser wird.


Und genau das passiert: Ein gut geführter lebendiger Boden wird mit jedem Zyklus stabiler. Das Pilznetzwerk etabliert sich tiefer im Substrat, das Bodenmikrobiom wird vielfältiger und eingespielter, und die Pufferwirkung gegen pH- und Nährstoffschwankungen wächst. Du baust dir über die Zyklen quasi einen immer robusteren, immer fehlerverzeihenderen Boden auf.

Warum Living Soil die Pflanzen bzw. Früchte auch noch aromatischer und gesünder macht, erkläre ich ausführlich in meinem anderen Artikel Living Soil vs. Mineraldünger.


Dazu kommen zwei sehr handfeste Vorteile:


  • Ökonomisch: Du kaufst die Erde einmal und nutzt sie im Idealfall über Jahre. Zwischen den Zyklen brauchst du nur wenige, vergleichsweise günstigere Produkte zum Auffrischen – statt ständig neues Substrat und Flaschendünger.

  • Ökologisch: Kein Substrat, das nach einem einzigen Grow auf dem Müll landet. Living Soil wiederverwenden heißt: ein geschlossener Kreislauf statt Wegwerf-Mentalität und die Nutzung natürlicher Stoffe.

💡 Der Kerngedanke:  Bei "toter" Erde verbrauchst du das Substrat. Bei Living Soil kultivierst du es. Dein Boden ist kein Verbrauchsmaterial, sondern dein wertvollstes Werkzeug – und das willst du behalten.

Der Knackpunkt: Warum gerade meine Living Soil über Jahre stabil bleibt & das Torf-Dilemma

Hier muss ich ehrlich sein, denn dieser Punkt entscheidet über alles, was in diesem Artikel folgt: Wiederverwenden funktioniert nur, wenn die Struktur des Bodens hält. 

Ein Boden, der in sich zusammensackt, verliert seine Struktur und seine Fähigkeit Dinge wie Sauerstoff aufzunehmen & somit Leben zu ermöglichen – egal wie gut das Mikrobiom mal war. Und genau daran scheitern viele Erden, die auf dem Papier als „wiederverwendbar" verkauft & beworben werden.

Das Rückgrat meiner Living Soil bilden Weißtorf und Bims. Bims ist ein rein mineralisches, vulkanisches Gestein – es zersetzt sich schlicht nicht, schwämmt nicht auf und hält den Boden über Jahre locker, luftig und gut durchwurzelbar. Weißtorf ist unglaublich struktur- und zersetzungsstabil. Auch wenn ich stets versuche, den Torfanteil in meiner Mischung weiter zu reduzieren, sorgen die beiden Zutaten dafür, dass mein Substrat über mindestens 5–10 Jahre strukturstabil bleibt und die beste Leistung liefern kann. Das Torf-Dilemma:

Genau diese Stabilität & die Eigenschaften von Torf sind die Voraussetzung dafür, dass du den Boden überhaupt so lange wiederverwenden kannst. Leider findet man genau diese und weitere Eigenschaften nur bei Torf. Kein anderes Material kann so stark aufgekalkt werden und bringt somit so große Reserven mit sich, während es dabei auch noch die idealen Eigenschaften liefert — perfekt für die dauerhafte Nutzung in Living-Soil-Beeten bei denen höchste Leistung & Stabilität an erster Stelle steht.


Die nächstbeste Option wäre wohl Kokosfaser, die jedoch bei Weitem nicht so stark aufgekalkt werden kann und ganz andere Schwierigkeiten mit sich bringt.

Ein vollwertiger Ersatz für Torf kann Kokosfaser daher leider nicht sein — zumindest nicht, was die Eigenschaften angeht.


Dennoch bin ich, wie oben erwähnt, stets bemüht, den Anteil an Torf weitestgehend zu reduzieren und alternative Wege zu gehen. Hinzu kommt, dass ich mich für einen bewussten Umgang mit meiner Erde und den vorhandenen Ressourcen einsetze. Durch den hohen Anteil integrierter Pflanzenkohle trägt meine Erde zudem dazu bei, CO₂ einzuspeichern.

Wer komplett Torffrei growen möchte findet bei mir im Shop meine Coco Living Soil mit 0% Torf - diese ist aber leider aufgrund der aufwändigen & zeitintensiven Herstellung stark limitiert und vllt. schon ausverkauft.

Viele vergleichbare Erden anderer Anbieter gehen dagegen einen von zwei Wegen (oder sogar beide zusammen) – und beide führen früher oder später zum selben Problem:

  • Perlite als Strukturgeber. Perlite schwemmt mit der Zeit auf und sammelt sich an der Oberfläche, statt dort zu bleiben, wo es seine Arbeit tun soll. Meiner Meinung nach hat Perlite in einer Living Soil ohnehin nichts verloren – es trennt sich vom Rest und erfüllt seinen Zweck als Strukturgeber auf Dauer nicht.

  • Schnell zersetzliche Torfersatzstoffe. Sie bauen sich rasch ab, der Boden komprimiert und sackt zusammen, die Belüftung der Wurzeln leidet – und das System verliert bereits nach ein paar Durchläufen seine Struktur& Fähigkeiten ein gesundes Mikrobiom aufrecht zu erhalten. Im schlimmsten Fall musst du dann alles ersetzen – und damit ist der ganze Vorteil der Wiederverwendung dahin.

💡 Darum geht es:  Ein lebendiger Boden kann nur dann von Zyklus zu Zyklus besser werden, wenn sein „Skelett" über die Jahre hält. Deshalb baue ich meine Living Soil bewusst so auf – damit du sie wirklich jahrelang wiederverwenden kannst, statt sie nach ein paar Grows wegwerfen zu müssen. Mehr zu den Inhaltsstoffen und der Herstellung findest du hier.

2. Das Prinzip in einem Satz

Wenn du dir aus diesem ganzen Artikel nur einen Satz merkst, dann diesen:

Herkömmliche Substrate verbrauchst du und wirfst sie nach dem Grow weg – eine echte Living Soil bereitest du nach der Ernte nur kurz auf und nutzt denselben Boden über Jahre weiter, Durchlauf für Durchlauf besser.

Genau das ist der Unterschied zu fast allen anderen Substraten. Bei Kokos, Steinwolle oder klassischer Universalerde endet der Lebenszyklus des Substrats mit der Ernte, oder sogar schon früher: raus damit, neu kaufen, neu befüllen. Bei Living Soil dagegen ist die Ernte kein Endpunkt, sondern der Anfang des nächsten Zyklus. Die eigentliche „Arbeit" passiert dabei nicht während des Anbaus, sondern in einer kurzen Phase zwischen zwei Durchläufen, in der du den Boden aufbereitest und ihm zurückgibst, was die Pflanze ihm entnommen hat.

Das Leitprinzip dahinter ist immer dasselbe: Feed the soil, not the plant. Du fütterst nicht die Pflanze, sondern das Bodenleben – und genau dieses Bodenleben ist es, das du beim Wiederverwenden über die Jahre erhältst und immer weiter aufbaust. Du verbrauchst deinen Boden nicht, du machst ihn mit jedem Durchlauf wertvoller.

3. No-Till: Warum du die Wurzeln im Boden lässt

Hier kommt der schwerste Denkfehler, den die meisten machen, wenn sie zum ersten Mal Erde wiederverwenden wollen: Sie graben den Boden aus, sieben die alten Wurzeln raus, lockern alles durch und „bereiten ihn frisch auf". Bei klassischer Erde ist das vielleicht sinnvoll. Bei Living Soil ist es das Gegenteil von dem, was du willst.

Der richtige Weg heißt No-Till – also „nicht umgraben". Nach der Ernte schneidest du die Pflanze einfach bodennah ab und lässt die Wurzeln im Boden. Du gräbst nichts aus, du wühlst nichts um. Das hat gleich mehrere Gründe:

  • Die Wurzeln werden zu Futter. Das Bodenleben zersetzt die zurückgelassenen Wurzeln und macht daraus neue Nährstoffe und Humus – genau dort, wo die nächste Pflanze sie braucht. Du fütterst deinen Boden also mit den Resten der letzten Ernte. Außerdem dienen die alten Tunnel direkt als neue Pfade für die kommenden Wurzeln neuer Pflanzen.

  • Das Pilznetzwerk bleibt intakt. Mykorrhiza und das fein verzweigte Pilzmyzel im Boden sind die eigentliche Infrastruktur deiner Living Soil. Wer umgräbt, zerreißt dieses Netzwerk und wirft den Boden biologisch zurück. Mehr dazu in meinem Beitrag über das „Wood Wide Web" im Boden.

  • Die Bodenstruktur bleibt erhalten. Gänge von Regenwürmern, gewachsene Krümelstruktur, Belüftung – all das baut sich über Wochen auf und wird durch Umgraben zerstört.

⚠️ Die wichtigste No-Till-Regel:  Entferne die Wurzeln nicht vollständig. Sie sind das Futter für das nächste Bodenleben. Bodennah abschneiden, Wurzeln drin lassen, Ruhe geben – das ist der ganze Zauber.

Kurz gesagt: Du arbeitest mit dem Boden, nicht gegen ihn. Der Boden macht die Arbeit – dein Job ist es, ihn dabei nicht zu stören.

4. Die Aufbereitung: Der Schlüssel zur Wiederverwendung

Das ist der Abschnitt, auf den es ankommt – und der einzige Schritt, der etwas Arbeit macht. Die Aufbereitung ist die gezielte Auffrischung des Bodens zwischen zwei Grows. Sie ist der Grund, warum dein Boden von Durchlauf zu Durchlauf besser statt schlechter wird.


Ich habe für die Anwendung und Aufbereitung meiner Living Soil in einem vorherigen Blogartikel zwei Leitfäden als PDF-Datei kostenlos zur Verfügung gestellt. Diese Leitfäden erklären dir, je nachdem wie du anbauen möchtest, was du tun kannst um auf Dauer erfolgreich zu sein. Beide Leitfäden findest du hier kostenlos zum Download.

Grow Shot & Bloom Shot bei der Wiederverwendung von Living Soil.  im Hintergrund sind Tomaten

Der Clou: Du gibst alles in einer Arbeitssitzung direkt nach der Ernte, danach arbeitet der Boden von allein. Gemütlich dauert das 3–4 Wochen – im Schnelldurchlauf gehen auch 1–2 Wochen (dazu gleich mehr).

Für den einfachen Weg brauchst du nur zwei-drei Produkte: Terra ReMineral für die Mineralien (Sollte der Boden Calcium, Magnesium & Co. benötigen), Grow Shot als Nährstoffgrundlage und Kompost-Tee für das Bodenleben als Kickstarter. So läuft die Aufbereitung Schritt für Schritt ab:

Schritt

Wann

Was tun

Ziel

1. Ernte & Wurzeln

Direkt nach der Ernte

Stängel bodennah abschneiden – Wurzeln im Boden lassen. Nicht ausgraben, nicht umgraben.

Wurzeln werden zu Futter fürs Bodenleben

2. Mineralien & Nährstoffe

Direkt im Anschluss

pH messen (Ziel 6,1–6,7) · Terra ReMineral 2 g/L Erde + Grow Shot 2–4 g/L Erde einarbeiten · leicht angießen

Mineralien & Nährstoffe auffüllen

3. Mikrobiom-Reset

Nach ein paar Tagen

Frischen Kompost-Tee (ACT) ansetzen und über die gesamte Oberfläche gießen

Bodenleben aktivieren – es baut die Wurzeln ab

4. Reifen & Freigabe

ca. 2–3 Wochen

Boden leicht feucht halten · Oberfläche mulchen (z. B. Hanfschäben) · Geruch prüfen: erdig-frisch = bereit, faulig = mehr Zeit · pH nochmals messen → neu bepflanzen

Wurzeln zersetzen, Boden reift – bereit für den nächsten Zyklus

⚠️ Wichtig bei der Aufbereitung:  Liegt der pH unter 5,9, arbeite zusätzlich etwas Algenkalk, Mg-Kalk oder Dolomitkalk ein (oder erhöhe Terra ReMineral auf 3–4 g/L), bevor der Kompost-Tee folgt. Wenn der pH über 6.7 liegt kein Terra ReMineral einarbeiten, da dieses den pH leicht erhöht. Der entscheidende Check vor dem Neubepflanzen: Der Boden muss wieder erdig-frisch riechen und der pH passen.

Kompost-Tee in 4 Schritten


Der Kompost-Tee ist das Herzstück der Aufbereitung – er bringt das Bodenleben zurück auf Touren, das jetzt die alten Wurzeln zersetzt und hilft die neu bereitgestellten Nährstoffe aufzubereiten. So setzt du ihn an:


Stoffbeutel mit 1 Liter (Oder bei Bedarf entsprechend weniger) der ACT-Fertigmischung füllen und in einen 10-Liter-Eimer mit chlorfreiem, belüftetem Wasser hängen. Etwa 50 g Melasse dazugeben und 24 Stunden mit einer Aquariumpumpe sprudeln lassen. Den fertigen Tee innerhalb von 4 Stunden verdünnt verwenden – danach lässt die Wirkung schnell nach. (Die Melasse dient nur dem Anbrühen; sie kommt in diesem Fall nicht separat ins Substrat.)

💡 Schon dabei: Trichoderma & Mykorrhiza.  Du musst keine teuren Pilzkulturen extra zukaufen – Trichoderma und Mykorrhiza sind in meinem Substrat bereits enthalten und etablieren sich über die Zyklen immer weiter. Die Aufbereitung weckt und füttert sie, mehr braucht es nicht.

Noch mehr Power?

Wer das Maximum will, erweitert die Aufbereitung um Roots und EM Aktiv für einen gezielten mikrobiellen Reset: EM kommt dabei direkt nach der Ernte (Tag 0), die Melasse frühestens 1–2 Tage später – nicht zusammen, weil Zucker plus hochaktive Mikroben im feuchten Boden den Sauerstoff aufzehren und faulige Zonen bilden könnten. Den vollständigen, wochengenauen Ablauf findest du in meinem großen Living-Soil-Leitfaden. Für die reine Wiederverwendung reichen die zwei-drei Produkte oben aber völlig aus.

5. Schnell-Aufbereitung: Wenn es fix gehen muss

Du brauchst den Boden schnell wieder? Kein Problem. Dann ziehst du alles zusammen und gibst dem Boden weniger Reifezeit. Etwas weniger gründlich – aber immer noch deutlich besser als gar keine Aufbereitung.

  • Tag 0 (direkt nach der Ernte): Stängel kappen, Wurzeln drin lassen · pH messen · Terra ReMineral 2 g/L + Grow Shot 2–4 g/L einarbeiten · feucht halten · Kompost-Tee (ACT) über die ganze Oberfläche gießen und feucht halten.

  • Tag 7–10: Geruch & pH prüfen – riecht der Boden erdig-frisch und passt der pH, kannst du neu bepflanzen. Achte bei Samen darauf, dass dieser nicht direkt in dem Topdressing (Grow Shot, Terra ReMineral) platziert wird. Nimm ggf. etwas Anzuchterde.


💡 Eilig, aber richtig:  Die Schnell-Aufbereitung in 1–2 Wochen ist völlig okay. Was du dagegen nicht machen solltest, ist gar keine Aufbereitung – dann fehlen dem Boden evtl. im nächsten Zyklus die Mineralien und der mikrobielle Schub. Lieber schnell auffrischen als auslassen.

6. Wie oft kannst du Living Soil wiederverwenden?

Das ist die Frage, mit der dieser Artikel begonnen hat – und die ehrliche Antwort lautet: in großen Beeten praktisch unbegrenzt.

Je mehr Volumen dein System hat, desto stabiler läuft es und desto länger und einfacher lässt es sich wiederverwenden. Ein gut geführtes Beet mit 50, 100 oder mehr Litern wird über die Zeit zu einem echten selbstregulierenden System, das kaum noch Eingriffe braucht. Hier kannst du quasi endlos weiterbauen – Zyklus um Zyklus, Jahr um Jahr. Mindestens für die nächsten 5-10 Jahre.

In Töpfen geht ebenfalls eine ganze Reihe von Durchläufen. Wie ich oben schon sagte: Manche meiner Kunden bauen seit über drei Jahren in derselben Erde von mir an – und die Ergebnisse werden mit jedem Durchlauf besser. Wichtig ist nur, dass du die Aufbereitung nicht überspringst und dem Boden zwischen den Zyklen das zurückgibst, was die Pflanze entnommen hat. Je kleiner das genutzte System ist, desto genauer musst du arbeiten und desto länger braucht der Boden auch wieder zum Erholen.

💡 Faustregel: Mehr Volumen = mehr Puffer = häufiger und einfacher wiederverwendbar. Im kleinen Topf führst du den Boden enger; im großen Beet läuft er spürbar einfacher.

7. Langzeit-Pflege: Salze, Kalium & Bodenanalyse

Über sehr viele Zyklen kann sich eine Frage stellen, die im Alltag keine Rolle spielt, aber für echte Langzeit-Nutzer wichtig ist: Reichern sich mit der Zeit Salze im Boden an?

Zwei meiner wichtigsten Living-Soil-Regeln lauten „nicht auf Drain gießen" und „kein separater Flush" – beide sind wichtig, weil sie Nährstoffe und Mikroben im Substrat halten. Über viele Durchläufe können sich aber lösliche Salze (vor allem Kalium) langsam anreichern. Der primäre Hebel dagegen ist nicht das Spülen, sondern: Inputs reduzieren & anpassen sowie die passive Pflanzenaufnahme nutzen. Eine einfache Bodenanalyse gibt dir ab Zyklus 3+ zusätzlich Klarheit. Wenn du bei deinen Inputs aber darauf achtest organisch/biologische Zutaten zu nehmen, die keine oder nur kaum Salze enthalten, wirst du dieses Problem vermutlich kaum bekommen.

So gehst du am besten langfristig vor:

  • Ab Zyklus 3+: Bei Bedarf eine Bodenanalyse machen (Besonders sinnvoll in größeren Beeten). Sind Kalium und/oder Phosphor erhöht, setze Bloom Shot für 1-2 Zyklen aus oder reduziere ihn entsprechend. Die Pflanze baut überschüssige Nährstoffe über mehrere Zyklen ganz von allein wieder ab.

  • Spülen nur als Ausnahme: Nur wenn eine Messung ein echtes Salzproblem zeigt – deutlich erhöhter EC, sichtbare Salzränder, Nährstoff-Lockout trotz korrektem pH – ist eine einmalige, kontrollierte Auswaschung die berechtigte Ausnahme von der „nie auf Drain"-Regel. Verwende hierfür am besten Regen- oder Osmosewasser.

Nicht ins Blaue spülen:  Eine Auswaschung ohne nachgewiesenes Salzproblem schadet dem System mehr, als sie nützt – sie spült genau das aus, was deinen Boden stark macht. Erst messen, dann (vielleicht) handeln.

8. Topfgröße, Regenwürmer & Bottomless Pots: Was die Wiederverwendung leichter macht

Zwei Faktoren entscheiden mehr als alles andere darüber, wie entspannt die Wiederverwendung über die Jahre läuft: das Volumen und das Bodenleben.

Topf- und Beetgröße. Für einen vollständigen Zyklus empfehle ich mindestens 15–20 Liter pro Pflanze, gerne mehr. Ab 30–50 Litern – oder im Beet – merkst du, wie viel einfacher alles wird: pH-Schwankungen gleichen sich langsamer aus, Nährstoffreserven reichen länger, das Mikrobiom hat mehr Raum. Mehr Volumen bedeutet mehr Puffer – und mehr Puffer bedeutet weniger Fehler und eine einfachere Aufbereitung.

Regenwürmer - In großen Töpfen (ab ~30–50 L) und vor allem in Beeten leisten Regenwürmer extrem wertvolle Arbeit: Sie lockern den Boden, zersetzen organisches Material und machen das Substrat über die Zeit fast wartungsfrei. Genau das, was du beim Wiederverwenden willst.

🪱 Regenwürmer – optional, aber Gold wert:  In kleinen Töpfen (15–20 L) lohnt sich der Einsatz weniger – dort setzen ihnen Feuchte- und Temperaturschwankungen zu. In großen Gefäßen und Beeten dagegen verwandeln sie deinen Boden über die Zyklen in ein sich selbst pflegendes System.

Bottomless Pots – wenn du den Platz hast. Hast du genug Höhe im Zelt oder ausreichend Raum, gibt es einen Aufbau, der Anwendung und Wiederverwendung nochmal spürbar vereinfacht: Töpfe ohne Boden – also Stofftöpfe oder Töpfe mit herausgeschnittenem Boden – die du auf einem durchgehenden Living-Soil-Untergrund platzierst (einem Beet oder einer Bodenschicht darunter). Die Pflanze wächst oben im Topf, und ihre Wurzeln – inklusive der Pfahlwurzel – wachsen nach unten aus dem offenen Boden direkt in das Substrat darunter.

Das bringt zwei Vorteile, die genau auf die Wiederverwendung einzahlen:

  • Die Wurzeln sitzen nicht im Topf fest. Statt eines verfilzten Wurzelballens, der den Topf komplett ausfüllt und die Pfahlwurzel im geschlossenen Gefäß festsetzt, wachsen die Wurzeln nach unten ins Beet – und werden dort dann später, ganz im No-Till-Sinne (siehe Abschnitt 3), zum Futter fürs Bodenleben.

  • Der Wechsel geht im Handumdrehen. Das Beet darunter bleibt liegen und wird einfach wie gewohnt aufbereitet. Den alten Bottomless Pot trennst du unten ab bzw. hebst ihn ab und setzt einen frischen Topf den du mit einem neuen Setz- oder Steckling vorgezogen hast oben wieder drauf. Kein Ausgraben, kein Wühlen, kein Wurzelballen, den du mühsam aus einem geschlossenen Topf lösen musst.

💡 Topf-Komfort trifft Beet-Stabilität:  Mit Bottomless Pots kombinierst du das einfache Handling eines Topfs mit der Pufferung und Langlebigkeit eines großen Beets – das stabile Volumen unten macht den Boden über die Jahre fast wartungsfrei, während du oben unkompliziert von Pflanze zu Pflanze wechselst. Voraussetzung ist nur genug Platz nach oben: Beet plus Topf brauchen mehr Höhe als ein einzelner Topf – deshalb lohnt sich dieser Aufbau vor allem in ausreichend großen Zelten und Räumen.

9. Die häufigsten Fehler beim Wiederverwenden

Die meisten Probleme beim Wiederverwenden von Living Soil entstehen nicht durch zu wenig, sondern durch zu viel – zu viel Eingreifen, zu viel Wasser, zu viel Ungeduld.

Wer diese Punkte beherzigt, fährt fast immer gute Ergebnisse:

  1. Wurzeln komplett entfernen. Der Klassiker. Die Wurzeln sind das Futter fürs nächste Bodenleben – lass sie drin und schneide nur bodennah ab.

  2. Die Aufbereitung zu schnell durchführen. Gib dem Boden etwas Zeit, die Wurzeln aufzuarbeiten. Mindestens 1, besser 2–3 Wochen. Die Mikroben brauchen Zeit die bereitgestellten Nährstoffe zu verarbeiten und wieder ein Gleichgewicht zu schaffen.

  3. Grow Shot + weitere Zusätze schon im ersten Zyklus geben oder überdosieren. Im allerersten Durchlauf ist der Boden voll versorgt – Grow Shot kommt erst bei der Aufbereitung vor dem zweiten Zyklus dazu.

  4. Unnötig flushen. Spülen schadet hier mehr, als es nützt – außer es liegt ein gemessenes Salzproblem vor (siehe Abschnitt 7).

  5. Zu kleiner Topf. Unter 15 L wird das System schwankungsanfällig und schwerer wiederzuverwenden. Lieber 20 L oder mehr.

  6. Den Boden während der Aufbereitung zu stark austrocknen lassen oder überwässern. Das Bodenleben, das jetzt die Wurzeln zersetzt, braucht gleichmäßige Feuchte. Leicht feucht halten – nicht nass, nicht staubtrocken.

10. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann man Living Soil wirklich wiederverwenden – und wie oft?  Ja, das ist einer der größten Vorteile. Mit der Aufbereitung zwischen den Zyklen wird der Boden sogar von Durchlauf zu Durchlauf besser. In großen Beeten geht das praktisch unbegrenzt, in Töpfen über viele Zyklen. Kunden bauen teils seit über drei Jahren in derselben Erde an.

Was bedeutet die Aufbereitung/Recharge/Re-Amending bei Living Soil?  Das ist die Auffrischung des Bodens zwischen (oder während) zwei Grows: Wurzeln im Boden lassen, Mineralien und Stickstoff nachliefern ( in diesem Falle Terra ReMineral + Grow Shot), das Mikrobiom mit Kompost-Tee reaktivieren, reifen lassen, neu bepflanzen. Siehe Abschnitt 4.


Muss ich die alte Erde austauschen oder umgraben?  Nein – im Gegenteil. Living Soil wird nach dem No-Till-Prinzip nicht umgegraben. Du schneidest die Pflanze bodennah ab, lässt die Wurzeln drin und frischst nur die Oberfläche auf. Umgraben würde das Pilznetzwerk und die Bodenstruktur zerstören.


Wie lange dauert es, bis der Boden wieder bepflanzbar ist?  Gemütlich gesehen 2–4 Wochen, im Schnelldurchlauf 1–2 Wochen.


Welchen pH-Wert peile ich bei der Aufbereitung an?  6,1–6,7. Liegt der pH unter 5,9, arbeite zusätzlich etwas Algenkalk, Mg-Kalk oder Dolomitkalk ein, bevor der Kompost-Tee folgt. Sollte der pH Wert bei 6.8 oder darüber liegen, arbeite kein Terra ReMineral o.ä. ein, da es den pH Wert weiter erhöhen würde.


Brauche ich für die Wiederverwendung viele Produkte?  Nein. Für den einfachen Weg reichen zwei-drei Produkte: Terra ReMineral (Wenn du Calcium & Magnesium benötigst), Grow Shot und Kompost-Tee. Mehr ist optional und für alle gedacht, die das Maximum herausholen wollen.


Brauche ich spezielle Töpfe, um Living Soil wiederzuverwenden?  Nein, sie funktioniert in jedem ausreichend großen Gefäß. Wenn du aber genug Platz im Zelt hast, machen Bottomless Pots (Töpfe ohne Boden) auf einem Living-Soil-Beet das Wechseln noch einfacher: Die Wurzeln wachsen nach unten ins Beet, und du tauschst oben nur den Topf. Mehr dazu in Abschnitt 8.


Reichern sich beim Wiederverwenden Salze an / Muss ich Living Soil flushen?  Wenn du die richtigen, salzarmen Inputs verwendest wird das vermutlich kaum passieren. Über sehr viele Zyklen können sich aber Salze langsam anreichern. Der Hebel dagegen ist, die Inputs zu reduzieren und die Pflanzenaufnahme zu nutzen – nicht primär das Spülen/Flushen. Ab Zyklus 3+ gibt oft eine einfache Bodenanalyse Klarheit.


Funktioniert das Wiederverwenden auch für Tomaten, Chilis und Gemüse?  Absolut. Dieselben Regeln gelten für alle Pflanzen. Gerade Starkzehrer profitieren massiv von meiner Living Soil, die über die Jahre immer besser wird.


11. Fazit


Living Soil wiederverwenden ist kein Hexenwerk – es ist der natürlichste Teil des ganzen Konzepts. Während du in herkömmlichen Medien nach jedem Grow von vorne anfängst, baust du dir mit Living Soil über die Zyklen einen immer besseren, immer stabileren Boden auf. Nach der Ernte lässt du die Wurzeln im Boden und bereitest ihn mit ein paar Produkten kurz auf – und der Rest passiert von allein.


Der einzige Schritt, der wirklich Arbeit macht, ist diese Aufbereitung. Und selbst der ist mit zwei Produkten und etwas Geduld schnell erledigt. Dafür bekommst du einen Boden, den du über Jahre nutzen kannst – ökologischer, günstiger und am Ende mit aromatischeren, gesünderen Pflanzen.


Und das Wichtigste zum Schluss: Beobachte deinen Boden. Der Geruch & das Aussehen ist das ehrlichste Feedback, das du bekommen kannst. Erdig-frisch heißt: Dein Boden lebt – und ist bereit für die nächste Runde.


Du hast Fragen zur Aufbereitung oder zur Wiederverwendung? Schreib mir in die Kommentare, komm auf meinen Discord-Server oder schau auf meinem YouTube-Kanal vorbei – dort zeige ich viele Schritte auch im Video.


Bleibt grün,


Kim Immanuel Krämer

Gründer von Couple of Plants


Zuletzt aktualisiert: Juni 2026 | Autor: Kim Immanuel Krämer, Couple of Plants


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